Zu wenig Leidenschaft

Spiel der Woche: Zellertal schlägt Stetten in schwachem Kreispokal-Derby mit 3:1

(aus der Rheinpfalz, von Peter-Pascal Portz)

Stetten. Wenig Kampf und Leidenschaft, nahezu keine Emotionen, 90 Minuten lang nicht annähernd das, was ein Derby bieten sollte. Aber die TSG Zellertal hat es geschafft. In der zweiten Runde des Fußball-Kreispokals besiegte der Bezirksklasse-Absteiger den Nachbarn TuS Stetten verdient mit 3:1. Die Hausherren hatten Glück, dass es kein zweistelliges Ergebnis wurde.

Es gibt Fußball-Mannschaften, die lassen ihren Gegner über die vollen 90 Minuten einen Klassenunterschied spüren, nutzen ihre Chancen und fegen ihn mit sieben oder acht Toren Differenz vom Platz. Es gibt aber auch Teams, die dominieren ihren Konkurrenten über die gesamte Spiellänge, um sich dann mit einem knappen Vorsprung von ein, zwei Treffern geradeso über die Ziellinie zu retten. Zur Kategorie zwei zählte am gestrigen Sonntag die TSG Zellertal. Die etwa 70 Zuschauer auf dem Stettener Rasenplatz konnten und mochten ihren Augen nicht trauen, was der favorisierte Kreisliga-Neuling – allen voran Angreifer Steffen Kiktenko – an Hochkarätern im Minuten-, zeitweise sogar im Sekundentakt vergab. Egal ob frei vor dem Kasten und vor TuS-Torhüter Patrick Lehle, aus dem Rückraum des 16-Meter-Raums oder aus der Ferne. Ja, sogar einen Elfmeter in der 78. Spielminute brachte Christian Schwarz beim Stande von 2:1 nicht in den Maschen unter, fand in Lehle seinen Meister. „Wir haben zu viele Chancen liegenlassen. Wenn wir den Elfer machen, ist das Ding gegessen“, stellte Reinhard Schachner, der den verreisten TSG-Trainer Ludwig Radmacher an der Seitenlinie vertrat, nach dem Abpfiff völlig richtig fest. Es war schlicht und einfach unfassbar.

Dabei sah es zu Beginn der Pokalbegegnung nicht gerade danach aus, als sollten die Zellertaler ihren Gegner dermaßen an die Wand spielen. In einem Auf und Ab, das zu oft durch die Mitte ging und in dem die spielerischen Mittel fehlten, die Situation sauber zu Ende zu spielen, waren es gar die Platzherren, die durch eine Doppelchance von Sven Weishaupt (8.) in Führung hätten gehen müssen. Stattdessen sorgte jedoch acht Minuten später Patrick Griebe für das 1:0 der Gäste: Nach einem klasse Sturmlauf von Tobias Petri war Griebe im Strafraum der Abnehmer, hämmerte das Leder per Volleyschuss trocken ins Netz. Ein herrlicher, aber umstrittener Treffer, schien der Ball zuvor bereits im Toraus. Der TSG konnte es egal sein. Sie spielte gegen die ungeordnete Stettener Abwehr weiter auf, setzte sie oft mit fünf Mann früh unter Druck. Gleich zweimal (18., 22.) scheiterte Kiktenko aber an sich selbst – ehe der quirlige Martin Landkammer durch vier Verteidiger marschierte und für die Erlösung sorgte (26.). 2:0 für die TSG – Halbzeitstand.

Doch wer dachte, die Heimelf würde im zweiten Durchgang eine Reaktion zeigen – so etwas wie Kampf, Biss oder Einsatz vielleicht – der hatte sich geirrt. Zellertal drängte gegen das junge Stettener Team auf die Vorentscheidung. In Minute 56 setzte Jörg Albert die Kugel gewaltvoll an den Querbalken (56.). Ach ja, und Stürmer Kiktenko gab es ja auch noch. Es war aller Ehren wert, wie er sich Bälle erlief und die Möglichkeiten erarbeitete – ohne effizienten Abschluss aber nur die halbe Miete.

„Zellertal hat wegen der Chancen verdient gewonnen. Aber normal müssen wir das bestrafen”, so TuS-Coach Markus Hengstenberg, der gestern noch ein wenig mit seiner Aufstellung experimentiert hatte. Dass Joker Niels Baum aus stark abseitsverdächtiger Position per Heber noch zum 1:2 traf (73.), schien spurlos an der Partie vorüber zu gehen. Stetten zeigte kein letztes Aufbäumen, die Gäste verpassten weiter Chance um Chance. Bis Griebe einen eklatanten Fehlpass ausnutzte, Lehle umkurvte und zum 3:1 in letzter Minute einschob. „Auf den Einsatz können wir aufbauen. Die Moral hat gestimmt”, sagte Hengstenberg nach dem Spiel. In der Kreisliga wird sich der TuS dann aber noch steigern müssen, soll es diesmal anders laufen als in der Vorsaison.

So spielten sie

TuS Stetten: Lehle – Willig, Niederauer-Kopf, Enders, Kistner – Schuster (46. Skiendziel), Lauer, Groß, Selle (49. Baum), Stojadimovic (66. Jeltsch) – Weishaupt

TSG Zellertal: Steingass – Böhner (79. Bernhardt), Saas, Walther – Petri, Griebe, Schwarz, Landkammer (82. Peter Schindler), Albert, Wandel – Kiktenko

Tore: 0:1 Griebe (16.), 0:2 Landkammer (26.), 1:2 Baum (73.), 1:3 Griebe (90.) – Gelbe Karten: Petri, Saas – Beste Spieler: Lehle – Walther, Griebe, Landkammer – Zuschauer: 70 – Schiedsrichter: Jung (Winnweiler).

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